Die Sängerin Heather Nova wirkte bei ihrem Konzert im Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle eigenartig unbeteiligt. Der Funke wollte nicht überspringen
Stuttgart, März 2003, Suedwestpresse
Was hat man nicht schon alles über diese Frau geschrieben: über ihr hübsches Aussehen, ihr Vagabundenleben auf dem Schiff der Eltern, ihre glasklare Stimme und die von ihr perfekt verkörperte und vertonte Zerbrechlichkeit. Ganz Verwegene ergänzten ihre Berichte gar noch um die erotisierende Wirkung ihres Gesangs. Falsch ist das alles nicht, doch kreist es stets nur um den Kern, der die Sängerin Heather Nova ausmacht: die tief gehende Intimität ihrer Musik. Diese Intimität wurde auf ihrem neuen Album "South" jedoch von einem HipHop-Produzenten mit einem beschwingten Handstreich Richtung Bedeutungslosigkeit gekehrt, und deshalb war es die Frage, wie das Konzert am Mittwoch in der Stuttgarter Liederhalle ausfallen würde.
Nun ist der Beethovensaal der Liederhalle nicht unbedingt der Ort, an dem Intimität im großen Kreis geteilt werden kann. Ein paar Tuchbahnen auf der Bühne sollten wohlige Atmosphäre schaffen, und Frau Nova hatte extra ihren Perserteppich mitgebracht, um sich da vorne nicht ganz verloren zu fühlen. Doch das half alles nichts: die Schöne sang ihre Lieder, eigenartig in sich gekehrt, oft mit geschlossenen Augen. Selten ging sie vom schützenden Teppich weg, selten zeigte sie Regungen, und ihre Hände wussten, wenn sie nicht die Gitarre spielten, kaum, was sie tun sollten. Echte Kommunikation mit dem Publikum, wie sie ein Konzert-Erlebnis auszeichnet, gab es kaum. Die Intimität war zwar da, fand den Weg vom Perserteppich weg jedoch nicht. Die Zuhörer in der ausverkauften Halle wurden nicht vom Konzert eingewickelt.
Freilich gaben sich Alle alle Mühe: Der Sound war hervorragend, die Band spielte ordentlich, und Frau Nova beteuerte gleich zwei Mal, wie leid es ihr doch tue, dass ihr Konzert im November ausfallen musste, weil sie ihre Stimme verloren hatte ("Das war eine der schlimmsten Nächte meiner Laufbahn"). Der Filmsong Gloomy Sunday war sogar als Klavierballade arrangiert worden und leitete zu einem Akustik-Set über, das - tatsächlich! - mit einer Coverversion von "Stayin' alive" der Bee Gees endete. Heather Nova tanzte sogar dazu! Oder bewegte zumindest ein bisschen die Hüften und wiegte ihren Kopf leicht.
Am Ende krachten dann doch nochmal die E-Gitarren. Letztlich nur noch eine Bestätigung für das, was an diesem Abend deutlich geworden war: Dass man nämlich eine gute Dramaturgie braucht, um eine intime Stimmung in einer großen Halle aufzubauen. Aber das war wohl unter den Teppich gekehrt worden.
Bild: Sandro Mattioli



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