Lange war auf dieser Homepage nichts Aktuelles mehr zu lesen. Das hat seine Gründe, und einen davon kann man ab dem 10. September in den Buchhandlungen kaufen. Mein Buch "Die Müll-Mafia" erscheint dann, verlegt vom Herbig-Verlag in München.
Drei Jahre Recherche enden damit, und ich hätte nicht gedacht, dass mich das Projekt noch so fordern würde. Als ich im Dezember wegen meiner neuen Tätigkeit für die Kontext:Wochenzeitung in Stuttgart nach Deutschland zurückgezogen bin, habe ich noch nicht geahnt, was mich erwartet. Zum Glück habe ich gleich eine schöne Wohnung in Stuttgart gefunden. Zum Glück vor allem auch deswegen, weil ich das erste Drittel von diesem Jahr quasi auch nichts Anderes gesehen habe als meine vier Wände. Aufstehen - Schreiben - Einkaufen - Kochen - Essen - Schreiben - Essen - Schreiben - Schlafen. So sahen die Monate in etwa aus.
Dann kamen die Phasen, die sich bei Megaprojekten wohl nie vermeiden lassen: Das Herzblut und die Begeisterung weicht Gleichgültigkeit und Desinteresse. Ja, um ehrlich zu sein, ich konnte am Ende kaum mehr sehen, was ich geschrieben hatte. Nicht, weil ich es so schlecht gefunden hätte. Und auch nicht, weil die Zusammenarbeit mit dem Verlag schlimm gewesen wäre - ganz im Gegenteil, es war eine sehr angenehme Kooperation. Nein, einfach weil ich der Materie überdrüssig war, weil Zweifel kamen, ob sich denn überhaupt jemand für Müll interessieren würde, selbst wenn ich immer noch selber davor erschrecke, welch verbrecherischen Kräfte hier am Werk waren.
Nun, in diesen Tagen habe ich das gesamte Manuskript noch einmal durchgearbeitet. Und ich muss sagen: Ich freue mich auf den 6. September. Und bin gespannt. Auch darauf, wie manch ehrenwerte Herren beispielsweise aus der Schweiz reagieren, wenn ihre Beteiligung an diesen schmutzigen Geschäften thematisiert wird. Über den Inhalt des Buches werde ich später mehr berichten. Mein Dank gilt dem Stuttgarter Fotografen Josh von Staudach für das phantastische Titelfoto!
Natürlich hoffe ich, dass die Wahrheit über bis heute vertuschte Mülldeals endlich ans Licht kommt. Und sich die Beteiligten endlich der Justiz stellen müssen. Dass die Rolle der Geheimdienste hinterfragt wird - und nicht einfach nur mit dem Finger auf die Mafia gezeigt wird. Vor allem aber hoffe ich, dass zweien meiner Protagonisten endlich die Aufmerksamkeit und der Respekt zuteil wird, den sie für ihren bedingungslosen Einsatz verdient haben: Natale De Grazia, ein Ermittler, der den Giftmüllschiffen auf der Spur war, Schiffen, die mit hochgiftigem Abfall beladen und dann im Meer versenkt wurden. Und Ilaria Alpi, die in Somalia recherchierte, wie Mülllieferungen nach Afrika und Waffenexporte aus Europa zusammenhängen und welche Rolle der italienische Staat in dieser unheiligen Allianz einnahm.
Natale De Grazia starb 1995, kurz bevor er seine Ermittlungen abschließen konnte. Die genaueren Umstände seines Todes sind bis heute nicht geklärt. Ilaria Alpi wurde ein Jahr zuvor in Somalia erschossen. Die Auftraggeber der Tat wurden bis heute nicht belangt.


